Entscheidung im Bundesrat: Warum die Initiative aus Schleswig-Holstein gesundheitspolitisch notwendig ist.

Zuckersteuer: Jetzt liegt die Entscheidung bei den Ländern

Nach der Ablehnung auf dem CDU-Parteitag bringt Schleswig-Holstein die Zuckersteuer in den Bundesrat. Das Netzwerk Ernährungsräte begrüßt den Vorstoß – und betont: Es geht um Gesundheitsschutz, faire Preise und die Entlastung unseres solidarischen Systems.

Kommentar
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Michael Müller
Ernährungsrat Bergisches Land
Veröffentlicht am
25.03.2026
Zuletzt aktualisiert
25.03.2026

Nach der Ablehnung einer Zuckersteuer auf dem CDU-Parteitag kommt das Thema nun mit neuer Dynamik zurück auf die politische Agenda:
Das Land Schleswig-Holstein bringt an diesem Freitag einen Entschließungsantrag in den Bundesrat ein, der konkrete Maßnahmen zur Reduzierung des Zuckerkonsums vorsieht.

Wir begrüßen den Mut von Ministerpräsident Daniel Günther, diese Debatte weiterzuführen und politisch voranzubringen.

Vom Parteitag in den Bundesrat

Der Antrag macht deutlich, worum es im Kern geht: um den Schutz von Gesundheit – insbesondere von Kindern und Jugendlichen – und um wirksame Maßnahmen gegen die Folgen eines zu hohen Zuckerkonsums. So wird festgehalten, dass zuckerhaltige Getränke wesentlich zur Entstehung von Übergewicht, Adipositas und weiteren Erkrankungen beitragen und erhebliche Folgekosten verursachen.

Gleichzeitig zeigt die Erfahrung der vergangenen Jahre: Freiwillige Maßnahmen reichen nicht aus, um den Zuckergehalt in Produkten nachhaltig zu senken. Mit dem Vorstoß im Bundesrat liegt nun ein konkreter politischer Ansatz auf dem Tisch: eine Abgabe auf stark zuckerhaltige Getränke, ergänzt durch weitere Maßnahmen wie eine Altersgrenze für Energy-Drinks. Aus unserer Sicht ist das ein wichtiger Schritt – und längst überfällig.

Politisch umstritten – gesundheitspolitisch notwendig

Die Debatte der vergangenen Wochen hat gezeigt, dass das Instrument politisch umstritten ist. Auf dem CDU-Parteitag fand ein entsprechender Vorschlag keine Mehrheit. Umso wichtiger ist es, dass die Diskussion jetzt auf Bundesebene weitergeführt wird.

Denn die zentrale Herausforderung bleibt bestehen: Ein hoher Zuckerkonsum ist kein individuelles Randproblem, sondern eine strukturelle Frage der öffentlichen Gesundheit.

Kosten, Verantwortung und wirksame Anreize

Besonders deutlich wird das bei den Folgekosten. Unser Gesundheitssystem ist solidarisch finanziert – die Kosten für ernährungsbedingte Erkrankungen werden von der gesamten Gesellschaft getragen. Gleichzeitig sind diese Kosten bislang nicht im Preis stark zuckerhaltiger Produkte enthalten. Genau hier setzt eine Zuckersteuer an, indem sie externe Kosten sichtbar macht und Anreize für Veränderungen schafft.

Internationale Erfahrungen zeigen, dass solche Instrumente wirken: Sie führen zu Reformulierungen in der Industrie, senken den Zuckergehalt von Produkten und können den Konsum messbar reduzieren.

Wir haben unsere Position dazu bereits ausführlich dargestellt:
👉 https://www.ernaehrungsraete.org/post/zuckersteuer-ein-uberfalliger-schritt

Für uns ist klar: Eine Zuckersteuer ist kein Allheilmittel. Aber sie ist ein zentraler Baustein einer wirksamen, evidenzbasierten Ernährungspolitik.

Unterstützung aus Fachkreisen wächst

Parallel wächst auch der Druck aus der Fachwelt: Gemeinsam mit Partnern wurde eine Unterschriftenkampagne initiiert, die sich gezielt an Ärztinnen und Ärzte richtet.

👉 https://www.foodwatch.org/de/mitmachen/appell-aerztinnen-und-aerzte-fuer-die-zuckersteuer#c64798

Wir unterstützen diese Initiative ausdrücklich und laden dazu ein, sie weiter zu verbreiten.

Unsere Botschaft

Als Netzwerk Ernährungsräte stehen wir weiterhin mit fachlicher Expertise und Erfahrungen aus der Praxis bereit, um diesen Prozess konstruktiv zu begleiten.

Unsere Botschaft bleibt: Gesunde Ernährung braucht politische Rahmenbedingungen – und den Mut, sie umzusetzen.

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