Partizipation, Schulentwicklung und gutes Essen: Wie eine Mensa in Hamburg zeigt, was möglich wird, wenn junge Menschen mitgestalten dürfen – und alle Ebenen an einem Strang ziehen.

Wenn Schüler*innen ihre Mensa mitgestalten

Die Stadtteilschule Lurup hat ihre Mensa neu gestaltet – mit Beteiligung der Schüler*innen. Entstanden ist ein Ort für Gemeinschaft, gutes Essen und gelebte Demokratie. Das Projekt zeigt, wie Ernährung, Raumgestaltung und Bildungspolitik zusammenwirken können – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Gute Praxis
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Impulse für die flächendeckende Umsetzung einer nachhaltigeren Gemeinschaftsverpflegung

Das Papier identifiziert zentrale Hebel für eine nachhaltige Gemeinschaftsverpflegung und formuliert konkrete Handlungsansätze, um den Wandel strukturell, finanziell und organisatorisch zu verankern.

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Autor*in
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Kristina Kuharic
Ernährungsrat Frankfurt
Veröffentlicht am
19.01.2026
Zuletzt aktualisiert
19.01.2026

An der Stadtteilschule Lurup in Hamburg wurde vor einem Jahr die Mensa neu geplant – aber nicht von oben herab. Die Schülerschaft war von Anfang an mit dabei: Sie konnten Ideen einbringen, mitentscheiden und erleben, dass die eigene Stimme zählt. Herausgekommen ist ein Ort, der sich ganz anders anfühlt als eine typische Schulmensa. Er ist offener, wärmer und gemeinschaftlicher.

Wo es vorher funktional und laut war, ist heute ein Ort der Begegnung entstanden – gestaltet von denen, die ihn täglich nutzen. Farben, Möbel, Licht und Wegeführung wurden gemeinsam durchdacht. Auch ein neues Essenskonzept wurde entwickelt. Die Schule bietet jetzt ein täglich frisch gekochtes Bio-Mittagessen, das die Schüler*innen sich an zwei Buffets selbst zusammenstellen können. Es gibt mehr Gemüse, mehr Auswahl – und weniger Tellerreste. Denn wer selbst wählt, isst bewusster.

Die Schüler*innen verbringen mehr Zeit in der Mensa, essen lieber gemeinsam, und kommen in den Austausch über das, was auf dem Teller ist. Die neue Mensa ist nicht nur schöner, sie fördert Selbstständigkeit, Gemeinschaft und Wertschätzung für gutes Essen. Und sie zeigt: Wenn Schüler*innen an Entscheidungen beteiligt werden, entsteht ein Gefühl von Zugehörigkeit und Miteinander.

Mehr als Innenarchitektur: Gelebte Teilhabe

Die Stadtteilschule Lurup hat mit diesem Projekt deutlich gemacht, wie sich Schule entwickeln kann, wenn Beteiligung ernst genommen wird. Die Mensa wurde zum Symbol für Demokratiebildung im Alltag und für eine Schule, die Kinder nicht nur belehrt, sondern einlädt, mitzugestalten.

Wer erlebt, dass die eigene Meinung zählt, entwickelt Verantwortung und ein Gefühl von Selbstwirksamkeit. Wer gute Ernährung mitgestaltet, versteht sie auch besser. Genau so kann niedrigschwellige Ernährungsbildung funktionieren: Lebensnah und ohne Zeigefinger.

Räume, die wirken

Besonders im Ganztag spielt die Schulmensa eine zentrale Rolle. Sie ist mehr als ein Ort zum Essen – sie ist ein Stück Alltagskultur. Und sie kann – wenn gut gemacht – sozioökonomische Unterschiede überbrücken

Ein gutes Mittagessen, eine freundliche Atmosphäre, Platz für echte Pausen – all das ist Teil von Bildung. Und die Schule in Lurup hat gezeigt: Das ist machbar. Und es lohnt sich.

„Solche Prozesse zeigen: Beteiligung ist kein Luxus, sondern ein wirkungsvolles Instrument, um Schule, Ganztag und Gemeinschaftsverpflegung zukunftsfähig zu gestalten.“

– Julia Sievers, Vorstand Ernährungsrat Metropolregion Hamburg e.V.

Gutes Essen braucht gute Rahmenbedingungen

Gutes Essen braucht gute Rahmenbedingungen. Solche Projekte gelingen nicht durch Zufall, sondern weil viele gemeinsam daran arbeiten, wie engagierte Schulleitungen, motivierte Schüler*innen, eine unterstützende Schulbehörde – und Kommunen, die investieren können. Dass in Hamburg ein solches Vorhaben umgesetzt wurde, hat auch mit günstigen Voraussetzungen zu tun: Mit einem klaren Ganztagskonzept, einer gut aufgestellten Stadt und verfügbaren Mitteln. Nicht jede Kommune kann das aus eigener Kraft stemmen – deshalb braucht es dort, wo finanzielle Spielräume fehlen, stärkere Unterstützung durch Bund und Länder . Damit Projekte wie in Lurup kein Einzelfall bleiben. 

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