Die Debatte um eine Zuckersteuer nimmt in Deutschland wieder Fahrt auf – angestoßen durch gesundheitspolitische Fachverbände, unterstützt von Teilen der Politik und begleitet von einer wachsenden öffentlichen Aufmerksamkeit. Auch wenn die jüngsten Impulse – etwa durch die Bundesärztekammer und die Ankündigung einer Bundesratsinitiative aus Schleswig-Holstein – schon ein paar Wochen zurückliegen, bleibt das Thema aktuell und brisant: Wie schaffen wir es, Ernährungspolitik endlich wirksam, sozial gerecht und gesundheitlich zielführend zu gestalten?
Das Netzwerk Ernährungsräte begrüßt ausdrücklich, dass mit der Forderung nach einer Zuckersteuer endlich ein Instrument auf den Tisch kommt, das strukturell ansetzt, statt individuelle Verantwortung zu überfrachten. Aus unserer Sicht sprechen drei Argumente besonders deutlich für eine solche Maßnahme:
Gesundheitlicher Schutz braucht klare Rahmenbedingungen.
Der übermäßige Zuckerkonsum – insbesondere durch Softdrinks – ist ein wesentlicher Treiber von Volkskrankheiten wie Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Adipositas. Besonders betroffen sind Kinder und Menschen mit geringem Einkommen. Eine Steuer auf stark zuckerhaltige Produkte kann hier gezielt gegensteuern, denn sie wirkt doppelt: Sie senkt den Konsum – und motiviert Hersteller, die Rezepturen anzupassen.
Prävention entlastet das Gemeinwesen.
Die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen von Fehlernährung kosten uns Milliarden. Eine gut ausgestaltete Zuckersteuer ist eine Investition in Prävention – und damit in die Zukunft. Studien zeigen, dass solche Maßnahmen langfristig Erkrankungen vermeiden und das Gesundheitssystem deutlich entlasten können.

(2) Emmert-Fees KMF, Amies-Cull B, Wawro N, Linseisen J, Staudigel M, Peters A, et al. (2023) Projected health and economic impacts of sugar-sweetened beverage taxation in Germany: A cross-validation modelling study. PLoS Med 20(11): e1004311.
Zuckerkonsum verursacht in Deutschland jährlich rund 12 Milliarden Euro an Gesundheitskosten – etwa durch Diabetes, Adipositas oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine gut ausgestaltete Zuckersteuer könnte laut Modellrechnungen in den kommenden 20 Jahren bis zu 16 Milliarden Euro einsparen. Zusätzlich würden sich jährlich bis zu 1 Milliarde Euro an Steuereinnahmen erzielen lassen – Geld, das zweckgebunden in Prävention, Schulverpflegung oder Gesundheitsbildung fließen könnte. Die Rechnung ist einfach: Prävention entlastet – Menschen wie Gesundheitssystem.
Preisliche Lenkung funktioniert – international längst bewiesen.
Internationale Beispiele wie Mexiko, Großbritannien oder Südafrika zeigen, dass Zuckersteuern wirken: Der Konsum sinkt, der Markt reagiert mit Reformulierungen, und die Steuermehreinnahmen können sinnvoll in Präventionsarbeit reinvestiert werden. Auch in Deutschland ist es Zeit, wirtschaftliche Anreize neu zu setzen – weg von billigen, ungesunden Produkten hin zu einem fairen Umfeld für gesundheitsfördernde Entscheidungen.

Andere offizielle Stellen – etwa die ausführende Behörde des britischen Gesundheitsministeriums 'Public Health England' – berichten sogar von einem Rückgang des Zuckergehalts um 44 % zwischen 2015 und 2019. Auch die insgesamt verkaufte Zuckermenge sank deutlich. Je nach Messmethode fallen die Zahlen unterschiedlich aus – der Trend ist aber eindeutig.
Zusätzliche Links zu Studien:
(2) Südafrika: South African beverage tax has reduced purchases of sugar-sweetened beverages
Unsere Botschaft
Als Netzwerk setzen wir uns seit Jahren für eine strukturelle Ernährungswende ein – lokal wie bundesweit. Eine Zuckersteuer ersetzt keine Ernährungsbildung, keine gute Schulverpflegung, keine gerechte Agrarpolitik. Aber sie kann ein entscheidender Baustein sein, damit gesunde Ernährung endlich zur Normalität wird – unabhängig von Einkommen, Herkunft oder Wohnort.
Wir unterstützen daher die politischen und zivilgesellschaftlichen Bemühungen für eine Zuckersteuer – als Teil eines größeren, dringend nötigen Richtungswechsels in der Ernährungspolitik.

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