Mit der Bildung einer neuen Bundesregierung entscheidet sich, ob die Ernährungswende in Deutschland endlich konsequent vorangebracht wird – oder weiter Stückwerk bleibt. Gemeinsam mit 13 weiteren Organisationen aus Ernährungs-, Gesundheits-, Verbraucher- und Umweltschutz fordert das Netzwerk der Ernährungsräte im Bündnis #ErnährungswendeAnpacken eine beschleunigte, kohärente und sozial gerechte Ernährungspolitik.
Die Herausforderungen sind bekannt, die Lösungsansätze liegen auf dem Tisch. Was fehlt, ist politischer Gestaltungswille.
Ernährungspolitik muss im Alltag ankommen
Gesunde und nachhaltige Ernährung darf kein Privileg sein. Viele Menschen wollen sich bewusst ernähren, stoßen im Alltag jedoch auf hohe Preise, intransparente Angebote und ungesunde Ernährungsumgebungen. Eine zukunftsfeste Ernährungspolitik muss deshalb dort ansetzen, wo Menschen täglich Entscheidungen treffen: bei Preisen, Verfügbarkeit, Kennzeichnung und Werbung.
Die Kosten des heutigen Ernährungssystems – für Gesundheit, Umwelt und soziale Teilhabe – sind längst belegt. Sie werden bislang jedoch nicht dort sichtbar, wo sie entstehen, sondern auf Verbraucher:innen, Produzent:innen und Kommunen abgewälzt. Das ist weder fair noch nachhaltig.
Transparenz, Fairness und soziale Absicherung
Ein zentraler Schritt ist die Einrichtung einer Preisbeobachtungsstelle, die Kosten und Preise entlang der gesamten Lebensmittelkette transparent macht – vom Feld bis ins Supermarktregal. Nur so lassen sich faire Preise, gerechte Wertschöpfung und wirksame politische Maßnahmen entwickeln.
Gleichzeitig braucht es eine sozial gerechte Ausgestaltung der Ernährungswende. Gesunde Ernährung ist für viele Menschen schlicht zu teuer. Die Bemessung von Sozialleistungen muss eine vollwertige Ernährung realistisch abbilden, und neue Maßnahmen müssen von Anfang an sozial abgefedert werden.
Gesunde Ernährungsumgebungen schaffen
Kinder und Jugendliche verdienen besonderen Schutz. Werbung für stark zucker-, fett- oder salzhaltige Produkte darf sich nicht länger gezielt an sie richten. Freiwillige Selbstverpflichtungen der Wirtschaft reichen nicht aus – es braucht verbindliche Regeln.
Auch verbindliche Reduktionsziele für Zucker, Fett und Salz in Fertiglebensmitteln sind überfällig. Gleichzeitig muss gesunde, nachhaltige Ernährung sichtbarer, verfügbarer und zur einfachen Wahl werden – im Einzelhandel ebenso wie in der Außer-Haus-Verpflegung.
Gemeinschaftsverpflegung als Schlüssel
Öffentliche Einrichtungen können Motor der Ernährungswende sein. Eine beitragsfreie, qualitativ hochwertige Schul- und Kitaverpflegung muss bundesweit zum Standard werden. Das entspricht nicht nur den Empfehlungen des Bürgerrats „Ernährung im Wandel“, sondern ist eine Investition in Chancengleichheit, Gesundheit und Zukunftsfähigkeit.
Ernährungswende braucht politische Koordination
Was es jetzt braucht, ist eine integrierte Ernährungspolitik, die ressortübergreifend gedacht, konsequent umgesetzt und ausreichend finanziert wird. Die neue Bundesregierung muss an die bereits angestoßenen Prozesse anknüpfen und Ernährungspolitik als zentrales Politikfeld begreifen – nicht als Randthema.
Als Netzwerk der Ernährungsräte bringen wir die Perspektiven aus Kommunen, Regionen und der Praxis in diese Debatte ein. Die Ernährungswende wird vor Ort umgesetzt – sie braucht aber klare politische Leitplanken auf Bundesebene.
Jetzt ist der Moment, die Ernährungswende entschlossen anzupacken.

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